Der ehemalige Messner von St. Johann, Herr Gerhard Warzilek †, hat die folgende genaue Beschreibung seiner Filialkirche St. Johann verfasst. Lesen Sie die interessante Geschichte der Kirche aus der Sicht eines Mannes, der es wissen musste, war er doch etwa 40 Jahre lang Messner in dieser Filiale.
Die Filialkirche St. Johann liegt 3 km östlich von Wolfsberg auf einem kleinen Hügel über dem Talboden. Sie ist eine Filiale der Stadtpfarrkirche St. Markus in Wolfsberg.
Sie ist dem Hl. Johannes dem Täufer geweiht und verehrt den Hl. Johannes, den Evangelisten, als zweiten Kirchenpatron. Diese sind in zwei lebensgroßen Statuen in unserer Kirche dargestellt.
St. Johann wurde schon sehr früh von der Mutterpfarre St. Marein im ausgehenden 11. oder zu Anfang des 12. Jahrhunderts gegründet.
Aus dem Lavanttaler Plamnos-Atlas geht hervor, dass um die Zeit von 1106 ein „Marquart de santo Johanne“ bezeugt wurde.
St. Johann war schon vor 1218 eine eigenständige Pfarre (Tochterpfarre von St. Marein) und war für das Gebiet außerhalb der Mauern Wolfsbergs zuständig. Alte Leute kannten noch den Pfarrhof, der außerhalb der Friedhofsmauer im Süden angebaut war. Wolfsberg war Bambergisch.
Im 15. und 16. Jahrhundert wird St. Johann in verschiedenen Schriften, Urkunden und Zeugnissen wiederholt als Pfarre erwähnt, so 1405, 1499, 1532, 1535, 1548, 1561. Dieser Nachweis gilt auch noch für das Jahr 1784.
Wolfsberg war von 1007 bis 1759 Bambergisch. 1759 kaufte Maria Theresia die Kärntner Besitzungen den Bambergern ab. Nach dieser Zeit dürfte St. Johann in die Pfarre Wolfsberg eingegliedert worden sein.
St. Johann hat eine ursprünglich romanische Vergangenheit, Zeugen sind im Dachboden die Widertrager einer flachen romanischen Holzdecke, weiters der mächtige Westturm und das gleich breite Langhaus.
Der massive Turm dürfte ein Wachtturm an der Römerstraße, die von Wolfsberg nach Hartreichstein, dem Sitz des Landesgerichtes führte, gewesen sein.
Auch ein Fresken-Fragment in der Turmbasis an der nördlichen Wand deutet auf diesen frühen Ursprung hin. Es stellt vermutlich eine Hl. Margaretha mit dem Beil dar und dürfte aus der Zeit um 1350 stammen (Erkenntnis Dr. Malbrecht, Denkmalamt).
Zwei Apostel-Kreuze eben auch in dieser Turmbasis weisen darauf hin, dass die Kirche immer und schon sehr früh konsekriert war.
Eine alte Sakristei südseitig und eine neue auf der Nordseite fügen sich harmonisch in das Gesamtbild der Kirche ein.
Auf der Westseite im Eingangsbereich wurde ein klassizistischer Vorbau auf Toskanischen Säulen errichtet. Im Giebel des Vorbaues befindet sich ein Sgrafitto, das den Hl. Johannes mit dem Lamm darstellt. Der Entwurf stammt von Prof. Hetzendorfer. Überarbeitet und ausgeführt wurde es von Gerhard und Christoph Warzilek.
Hier im Vorbau befindet sich ein Römerstein, der am Grafenhof herausgepflügt wurde und sicher von der vorher erwähnten Römerstraße stammt. Weiters zeugen ein Standbild des Ritters, Herrn Hans von Siegersdorf, aus dem Jahre 1557 und des Herrn von Großwinklern aus dem Jahre 1727 von der großen Vergangenheit.
Die Besitzer des Schlosses Silberberg waren Inhaber eines gut florierenden Silberbergbaues und immer große Gönner und Förderer der Pfarre St. Johann. Sicherlich ließen sie die Kirche St. Johann gotisieren.
Im Zuge einer Innenrenovierung im Jahr 1973 entdeckten wir in den Feldern des Sternrippengewölbes die Deckenfresken, die laut zweier Renovierungsdaten, die am Triumphbogen zum Vorschein kamen, 1526 angebracht bzw. gemalt worden waren und 1724 durch die bezeugte Renovierung wieder übermalt, d. h. weggestrichen (übertüncht) wurden. 200 Jahre erfreute man sich der Fresken und von 1724 bis 1974 waren sie dann weggestrichen. Bei der Freilegung der Fresken (durch Gerhard Warzilek) wurden 7 Schichten Übermalung abgehoben. So konnte man das vorhandene Volumen feststellen. Fertig restaurieren konnte der Kirchenrestaurator Walter Campidell aus Feistritz erst 1974 weil er gerade den Goldenen Saal in Augsburg fertig machen musste. Somit waren die Fresken 250 Jahre übermalt.
Erwähnenswert ist ein gotisches Sakramentshäuschen mit einem Türchen aus zierlichem Eisengeflecht (ohne Schranken, ohne Schweißstellen) weiters noch eine Eisentür in die alte Sakristei, die nur aus gehämmerten Blechplatten, Nieten und Stangen besteht und noch immer stabil ist.
Ein neugotischer holzgeschnitzter Flügelaltar mit Relief-Schnitz-Arbeiten von 1909 von A. Progar, einem Wolfsberger, schmückt unseren Altarraum in positiver Weise. Flügel-Innen-Seite: Johannes mit seinen Jüngern und die Taufe Jesu am Jordan; in der Mitte: eine schöne Kreuzigungsgruppe. Flügel-Außen: Passion Christi in vier Goldtafelmalereien.
Ein großes Wandkreuz mit einem lebensgroßen Corpus (um 1700), die zwei schon erwähnte Apostelstatuen und eine Marienstatue bereichern unseren Kirchenraum.
Neben unserer Orgel am Chor gibt es noch vorne vor dem Altarraum ein kleines Orgelpositiv. Dieses wurde angeschafftt, weil unser damaliger Organist und Chorleiter, Hr. Valentin Timmerer †, querschnittgelähmt war und hier mit seinem Rollstuhl zufahren konnte.
Umfangreiche Renovierungen wurden durchgeführt:
1933 wurde das Turm-Kirchendach neu mit Zinkblech eingedeckt, erst später rot gestrichen. Das Kirchendach wurde statt der Holzschindeln nun mit Tonziegeln eingedeckt.
1942 wurden die Kirchenglocken für Kriegszwecke abmontiert.
1950 konnten wieder neue Glocken geweiht werden.
Zwischen 1947 und 1955 gab es mehrere Fassadenrenovierungen.
1967 deckte ein gewaltiger Sturm mehr als das halbe Ziegeldach ab. Es wurde mit Eternitschindeln neu gedeckt.
1971 war die Turmfassade so verwittert und unansehnlich, dass sie durch die Fa. Maierl aus Osttirol in gerüstloser Weise (Man saß auf Motorsitzen an Seilen!) erneuert werden musste.
1973 Ausmalen des Kirchen-Innenraumes, dabei Entdeckung und Freilegung der Fresken durch Messner Gerhard Warzilek.
1974 Restaurieren der Fresken durch Kirchenrestaurator Walter Campidell aus Feistritz.
1995 Trockenlegung des Kirchenbodens durch Auskofferung des gesamten Erdreiches und Auffüllen mit Rollschotter.
- Anbringung einer Außen-Ring-Entwässerung und nach Auskofferung und Isolierung auch einer Schotterauffüllung. Alles erfolgte in Eigenregie mit freiwilligen Helfern.
- Ausmalen des Innenraumes (G. Warzilek u. Helfer).
- Anschaffung neuer Kirchenbänke mit einer Wandvertäfelung.
- Chorverlängerung um 1,20 m und Errichtung einer neuen Chorbrüstung (Firma Klaus Penz, St. Stefan).
- Neuer Tischaltar und Ambo (Firma Reiter).
- 1999 Erneuerung des Turmdaches mit Kupferschindeln durch Fa. Pondorfer-Osttirol. Renovierung der Außenfassade (ohne Gerüst!).
- Teilweises Vergolden des Turmkreuzes, das von Krähen abgekratzt war, mit 23 Karat Sturmgold durch Messner Gerhard Warzilek.
Durch diese vielfältigen und aufwendigen Arbeiten ist unsere Kirche St. Johann zu einem schönen religiösen Kleinod geworden, welches die Gläubigen zu tiefer Besinnung einlädt.
Erstellt vom ehemaligen Messner Gerhard Warzilek †
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